Nimbus Waffen-SS

DMZ-Zeitgeschichte: Herr Demory, Sie gehören zu einer sogenannten „Reenactment“-Gruppe in den USA, die die 1. SS-Panzerdivision „Leibstandarte-SS Adolf Hitler“ darstellt. Woher kommt die Begeisterung für Geschichte, insbesondere für die des Zweiten Weltkrieges?
Ich denke, es gibt sehr viele geschichtsbegeisterte Menschen – einige davon picken sich eine bestimmte Zeit heraus, die sie besonders interessiert. Diese Menschen machen diese Periode zu einem Teil ihres Lebens. Und ein Weg, dies zu tun, ist das sogenannte „Reenacting“ – also das originalgetreue Nachstellen. In den USA ist dies übrigens mittlerweile weit verbreitet – und auch ein gutes Geschäft!

DMZ-Zeitgeschichte: Woran liegt das?
Die USA sind ein großes, aber im Vergleich zu den anderen sehr junges Land. Auch unsere eigene Geschichte hat Schattenseiten. Aber Amerikaner lieben auch die „Faszination des Krieges“, sie begeistern sich für historische Waffen, und die Enthusiasten unter ihnen stellen heute so ziemlich jeden Krieg nach, der auf oder jenseits amerikanischer Erde stattgefunden hat. Vielleicht erscheint das Außenstehenden etwas komisch. Geschichte begeistert aber junge und alte Amerikaner.

DMZ-Zeitgeschichte: Warum aber gerade eine deutsche Einheit in Ihrem Fall?
Ein Teil meiner Familie hat deutsche Wurzeln. Meine Mutter stammt aus Deutschland. Ich hatte einen großartigen Onkel, der den sowjetischen Gulag überlebt hat. Vor allem das hat mich immer fasziniert. Leider weiß man in den USA nicht allzu viel, wenn es um die deutsche Seite im Zweiten Weltkrieg geht.

DMZ-Zeitgeschichte: Was fasziniert speziell an der Waffen-SS? Immerhin war sie ja ein gefürchteter Gegner der Amerikaner im Zweiten Weltkrieg.
Wir US-Amerikaner haben selbst eine große Militärgeschichte mit Höhen und Tiefen. Wir haben großen Respekt vor unseren ehemaligen Feinden, die tapfer und hart gekämpft haben. Das deutsche Militär während des Zweiten Weltkrieges war zweifelsohne das beste der Welt. Man sollte das übrigens nicht mit Politik vermengen. Die Waffen-SS war mit Abstand der härteste und zäheste Gegner, dem die Amerikaner auf dem Schlachtfeld je begegnet sind. Sie haben so viele Taktiken entwickelt, die bis heute von den modernen Streitkräften weiter­genutzt werden. Ihre Tarntechnik war ihrer Zeit weit voraus. Die Männer der Waffen-SS werden auch heute noch von den Soldaten respektiert.

DMZ-Zeitgeschichte: Militärhistoriker vor allem aus den USA, aber auch aus den anderen ehemaligen Siegermächten des Zweiten Weltkrieges und sogar aus Israel bezeichnen die Männer der Waffen-SS als hochprofessionelle und ausgezeichnete Sol­daten. Was machte speziell diese Elitetruppe so besonders?
Ich glaube, die hohe Professionalität der Waffen-SS ist vor allem darin begründet, wie diese Truppe ausgebildet wurde und wie sie in die Schlacht ging. Das Konzept der „Kampfgruppe“ – später von der US-Armee („Combat Team“) und der israelischen Armee übernommen – war sehr erfolgreich. Zudem wurden die jungen Offiziere so ausgebildet, daß sie immer in der Lage waren, im Ernstfall auch die nächsthöhere Position einzunehmen. Die „Kameradschaft“ hat die Truppe zusammengehalten. Veteranen erzählten mir, daß die Einheit ihre Familie gewesen sei. Die hohe Zahl an Freiwilligen in der Waffen-SS – vor allem ausländischer Kämpfer! – zeigt, wie attraktiv diese Einheit trotz des hohen Risikos gewesen sein muß.

DMZ-Zeitgeschichte: Wie kann man sich die Aktivitäten Ihrer Darstellergruppe eigentlich vorstellen?
An der US-Ostküste konnten Reenactment-Gruppen für ihre Veranstaltungen manchmal Einrichtungen des US-Militärs nutzen. Doch das hat sich etwas geändert. Heute finden die meisten Veranstaltungen auf privatem Gelände statt. Unsere Gruppe kommt aus den US-Bundesstaaten Georgia und Pennsylvania. Wir stellen nicht nur bestimmte Schlachten nach, sondern nehmen auch an Veranstaltungen teil, die Geschichte „lebendig“ machen sollen. Diese Veranstaltungen sind öffentlich, interessierte Besucher kommen dann zu uns, können unsere Ausrüstung betrachten und uns Fragen stellen. Wir nehmen an bis zu zwölf Veranstaltungen im Jahr teil – von Pennsylvania bis South Carolina. Die „Schlachten“, die wir darstellen, sind manchmal groß, manchmal klein. Wir „kämpfen“ dann gegen die „Rote Armee“ – diese Darsteller kommen unserer Einstellung am nächsten. Einige „US-Einheiten“ glauben manchmal, sie müßten jede „Schlacht“ gewinnen, da sie ja den Krieg gewonnen haben. Wenn wir denen zeigen, wer auf dem „Schlachtfeld“ das Sagen hat, ziehen sie oftmals entweder beleidigt ab oder werden unfair. Sie fahren mit ihren Jeeps herum, als seien diese Panzer – und immun gegen Gewehrfeuer.

DMZ-Zeitgeschichte: Wie kann man sich eine solche nachgespielte „Schlacht“ vorstellen?
Vor jeder „Schlacht“ besprechen wir unsere Taktik. Wir überprüfen unsere Ausrüstung und machen uns fertig. Während der Schlacht sprechen wir übrigens Deutsch!

DMZ-Zeitgeschichte: Das funktioniert?
Natürlich ist das manchmal etwas schwierig, denn nicht alle von uns sprechen gleich gut Deutsch.

DMZ-Zeitgeschichte: Was ist mit der Ausrüstung?
Vor Beginn der „Schlacht“ händige ich allen Männern ihre Essenrationen und Granaten aus – und alles andere, was man während des „Kampfes“ so braucht. Unsere Aus­rüstung entspricht originalgetreu der der Waffen-SS des Zweiten Weltkrieges. Vor allem dieser Teil unseres Steckenpferdes fasziniert uns: Es gab so viele Tarnmuster, so viele unterschiedliche Uniformteile, die damals in Gebrauch waren. Das macht es für uns einfacher, dem „1944 Look“ zu entsprechen, wo sich viele Neuentwicklungen mit älteren Ausrüstungsgegenständen mischten. Wir stellen nicht das Jahr 1939 nach, sondern meist die Einsätze nach 1943.

DMZ-Zeitgeschichte: Das klingt alles nach einem teuren und zeitintensiven Hobby…
Sehen Sie, wir sind keine perfekten Kopien der deutschen Soldaten, das können wir auch niemals sein. Aber wir versuchen, ihre Leistungen zu würdigen, so gut wir können. Ich bin Realist. Ich muß nicht hungern, nicht frieren, keine Läuse zerfressen mich, ich fürchte nicht um mein Leben, ich muß keine Tapferkeit und Selbstlosigkeit unter Beweis stellen. Aber ich denke daran, daß den Männer der Waffen-SS genau dies alles widerfahren ist. Wenn unsere Gruppe sich heute trifft, haben wir Freude an unserem Hobby. Wir teilen alle das gleiche Interesse. Unsere Gruppe wurde tatsächlich für viele von uns zu einer Art zweiten Familie. Und nochmal, weil man es immer wieder in diesem Zusammenhang erwähnen muß: Das hat nichts mit Politik zu tun.

DMZ-Zeitgeschichte: Welche historischen Schlachten der Waffen-SS beeindrucken Sie eigentlich am meisten?
Ich persönlich bin von der Schlacht und Wiedereroberung von Charkow fasziniert. Nach dem Debakel von Stalingrad hat sich Generaloberst der Waffen-SS Paul Hausser dafür entschieden, seine Männer nicht zu opfern und das Kriegsglück mit seiner Truppe zu einer Wende zu führen – zumindest in dieser Schlacht. Aber auch die Schlacht um Kursk ist beeindruckend, ebenso wie die Einsätze in der Normandie. Die Waffen-SS zeigte in all diesen Schlachten ihre hohe Kampfmoral und ihren Elan.

Herr Demory, vielen Dank für das Gespräch.

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